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Essigei - Das Gummiei-Experiment: Was haben Eierschalen und Korallen gemeinsam? Ein Experiment zur Versauerung der Meere

Welche Auswirkungen hat die Versauerung der Meere auf Lebewesen wie Muscheln und Korallen? Was hat der steigende CO2-Gehalt in der Atmosphäre damit zu tun? In diesem einfachen Experiment nehmen wir uns als Analogie ein Ei und simulieren das saure Meerwasser mit Essig. So kannst du im Schnelldurchlauf sehen, was im Meer langsam geschieht und welche Auswirkungen es auf das Ökosystem Meer hat.

Das Ei ist ohne seine Schale elasitsch und gummiartig.
Das Ei ist ohne seine Schale elasitsch und gummiartig.

Inhaltsverzeichnis:

Experiment: Essigei

Du brauchst:

Und so gehst du vor:

  1. Leg das Ei vorsichtig in das Glas
  2. Gib so viel Essig-Essenz ins Glas, dass das Ei vollständig bedeckt ist
  3. Jetzt musst du mehrere Stunden warten (am besten über Nacht)
  4. Es ist sinnvoll das Ei alle paar Stunden mit dem Löffel zu drehen, damit es gleichmäßig im Essig schwimmt
  5. Am nächsten Tag kannst du das Ei aus dem Essig nehmen. Mit Wasser kannst du es vorsichtig waschen. Ist noch Schale vorhanden, lässt du es einfach noch eine Weile in seinem Essig-Bad.
  6. Über einer Schale oder einem Teller kannst du das Gummi-Ei erforschen: es ist elastisch und fühlt gummiartig an

Du kannst beobachten, wie sich an der Eierschale Bläschen bilden. Das sind Kohlendioxid-Blasen (CO2), die zeigen, dass die chemische Reaktion beginnt. Nach einiger Zeit bilden sich Schlieren im Wasser, der Schaum wird milchig: Die Schale löst sich langsam auf und winzige Partikel verteilen sich im Wasser.

Es bilden sich Kohlendioxid-Blasen.
Es bilden sich Kohlendioxid-Blasen.
Die Eierschale löst sich langsam auf.
Die Eierschale löst sich langsam auf.

Nimmst du das Ei schließlich aus dem Essig, hat sich die Eierschale komplett aufgelöst. Übrig ist das Ei mit seiner Eihaut. Es fühlt sich jetzt an wie ein Gummi-Ei. Du kannst das Eigelb und die Luftblase im Inneren erkennen.

Das Ei ist ohne seine Schale elasitsch und gummiartig.
Das Ei ist ohne seine Schale elasitsch und gummiartig.

Aber Vorsicht: Drückst du zu fest auf die Eihaut, zerstörst du sie und das Innere des Eis fließt hinaus.

Drehst du das Ei nicht, hat sich die Schale an der Stelle, die sich oberhalb des Essigs befand nicht aufgelöst. Dort ist die Schale noch mit der Eihaut verbunden. Der Vergleich ist auch spannend.

Erklärung

Essig enthält Essigsäure. Diese reagiert chemisch mit der Eierschale, die aus Kalziumkarbonat besteht. Die Schale wird so in ihre Bestandteile zerlegt und gibt dabei CO2 ab. Das sind die kleinen Bläschen, die du an der Eierschale sehen kannst. Dadurch verschwindet die Schale nach und nach, die innere Eihaut bleibt erhalten.

Was hat das mit der Versauerung der Meere zu tun?

Wie Essig ist kohlensäurehaltiges Wasser eine Säure. Kohlensäure (H2CO3) entsteht, wenn CO2 sich im Wasser löst. Je mehr CO2 in der Atmosphäre ist, desto mehr wird im Wasser gelöst. Also wird auch das Wasser immer saurer.

Die Skelette von Korallen und Schalen von Muscheln bestehen aus dem gleichen Material wie Eierschalen: Kalziumkarbonat. Saures Meerwasser sorgt dafür, dass das Kalziumkarbonat abgebaut wird. Die Kalkschalen und Kalkskelette von Meerestieren werden langsam zerstört oder wachsen schlechter. In den Ozeanen passiert also das gleiche wie mit dem Ei, nur viel langsamer. Das hat riesige Folgen für das Ökosystem der Meere.

Um das zu veranschaulichen, kannst du noch ein weiteres Experiment machen: Gib Essigessenz in mehrere kleine Gläser. In die Gläser kannst du jeweils Materialien aus der Natur tun: Holz, Stein, Schneckenhaus, Muschel, Kalkstein, etc.

Jetzt lässt du die Materialien in den Essiggläsern und beobachtest, was passiert. Was denkst du, welches Material sich auflöst?

Ergebnis: Das Schneckenhaus, die Muschel und der Kalkstein werden sich langsam auflösen, Holz und andere Steine nicht.

Übrigens ist das auch der Grund, warum Marmor und andere Oberflächen aus Kalk nicht mit einem sauren Reiniger gereinigt werden sollen. Mit der Zeit würde die Oberfläche kaputt gehen. Das sieht man auch bei antiken Marmorstatuen. Saurer Regen sorgt dafür, dass diese langsam zerstört werden.

Man setzt aber auch gezielt saure Reinigungsmittel ein, um Kalkränder in Küche und Bad zu beseitigen (z.B. Zitronensäure oder Essigsäure).

Text, Fotos: Katrin Reinheimer, 1.4.2025